Laryngektomie

Peristomale Hautgesundheit nach totaler Laryngektomie - Interview mit Prof. Rustemeyer

30. Juli 2026

Ein gutes Verständnis der Haut und der Faktoren, die die peristomale Haut sowie die Haut allgemein nach einer totalen Laryngektomie beeinflussen, hilft dabei, Patienten zu identifizieren, die ein erhöhtes Risiko für sogenannte „Medical Adhesive-Related Skin Injuries“ kurz MARSI, haben. Eine gesunde peristomale Haut bildet die Grundlage für die sichere Anwendung eines HME (Heat and Moisture Exchanger) mit guter Haftung und eine luftdichte Abdichtung für eine effiziente tracheoösophageale (TE) Stimmgebung.

Wir haben uns mit Prof. Dr. Rustemeyer zusammengesetzt, um mehr über die Hautgesundheit bei laryngektomierten Patienten zu erfahren.

Thomas Rustemeyer ist Professor für Dermatologie und Allergologie und Berufsdermatologie an der Abteilung für Dermatologie-Allergologie des Amsterdam University Medical Centers (Niederlande). Er betreut immunologische Forschung an der Universität und ist in die Patientenversorgung sowie in Forschungsprojekte zu grundlegenden immunologischen und translationalen Themen eingebunden. Er ist (Mit-)Autor von mehr als 300 Publikationen und Herausgeber mehrerer Fachbücher. Zudem ist er Mitglied und Vorsitzender verschiedener nationaler und internationaler Fachgesellschaften in den Bereichen Dermatologie-Allergologie, Immunologie und Arbeitsmedizin, einschließlich Tätigkeiten im Rahmen behördlicher und regulatorischer Angelegenheiten.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt – zur Prävention von Problemen. Nicht jede Person hat denselben Hautzustand. Mit zunehmendem Alter wird die Haut tendenziell dünner. Wenn Menschen älter werden, wird ihre Haut fragiler. Das gilt auch für Personen, die im Bereich der Stoma-Region eine Strahlentherapie erhalten haben, sowie für Personen, die topische Steroide anwenden, welche eine Ausdünnung der Haut verursachen können. Neben dem Alter kann auch Diabetes die Regeneration der Haut verlangsamen und die Haut schwächen. Menschen mit langjährigem Diabetes haben daher ebenfalls eine fragile Haut und ein erhöhtes Risiko für Wundinfektionen. In diesen Fällen sollten Sie besonders darauf achten, die Haut der Patienten nicht zu verletzen – indem Sie zum Beispiel das Haftmaterial nicht mit zu viel Kraft entfernen oder es nicht zu lange auf der Haut belassen.

Das ist nicht eindeutig, da eine Infektion auf eine Reizung folgen kann – und manchmal kann auch eine Reizung auf eine Infektion folgen, was jedoch seltener ist. Um eine Infektion zu verhindern, müssen Sie daher Reizungen vermeiden. Genau deshalb sind diese Basisplatten so wichtig – idealerweise sollten sie so früh wie möglich nach der Operation eingesetzt werden. Eine Reizung durch das Haftmaterial sollte deutlich begrenzt sein: Dort, wo das Haftmaterial endet, sollte auch die Hautreizung enden. Eine Infektion löst eine Reaktion des Immunsystems aus, ist daher meist großflächiger und nimmt innerhalb von 1–2 Tagen zu – sie breitet sich aus, weil es sich um eine Infektion handelt.

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Beispiel einer Basisplatte für den täglichen Gebrauch bei empfindlicher Haut

Atos Medical – Frau mit einem Tracheostoma reinigt die Haut um das Stoma

Das Entfernen muss sanft und vorsichtig erfolgen – nehmen Sie sich Zeit. Entfernen Sie es nicht abrupt und schnell, da dies Hornzellen (Teil der Hautbarriere) mit abziehen kann. Zusätzlich können Scherkräfte zu Hautreizungen führen. Weisen Sie Patienten darauf hin, sich Zeit zu nehmen – wenn möglich vor einem Spiegel. Die Basisplatte sollte vorsichtig, Millimeter für Millimeter, abgelöst werden. Lassen Sie die Haut anschließend für ein paar Minuten frei, damit sie ruhen und Feuchtigkeit verdunsten kann – möglicherweise auch etwas länger, um der Haut beim „Beruhigen“ zu helfen.

Das sind die wichtigsten Punkte. Ich würde empfehlen, keine Cremes oder Bodylotions zu verwenden, weil sie Konservierungsstoffe enthalten und häufig parfümiert sind. Dann befinden sich Duftstoffe und Konservierungsmittel auf der Haut, und wenn Sie darüber das Haftmaterial anbringen, kann es zu einer stärkeren Penetration von Allergenen kommen, was letztlich zu einer allergischen Kontaktdermatitis führen kann.

Ein letzter Punkt: Man kann auch gegen das Haftmaterial der Basisplatte allergisch sein, aber das Risiko ist sehr gering. Wenn eine Patientin oder ein Patient berichtet und zunehmend klagt, dass sich die Haut immer weiter verschlechtert, bedenken Sie eine Kontaktallergie. Das lässt sich einfach testen, indem man ein Stück Haftmaterial bzw. die Basisplatte z. B. auf dem Arm oder Rücken anbringt (Patch-Test) und es dort einige Tage belässt. Wenn die Patientin/der Patient dann an dieser zuvor normalen Stelle ebenfalls juckende, gerötete und ekzematöse Haut entwickelt, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine allergische Dermatitis.

Diese Reizung kann sehr gut behandelt werden, indem man Kortikosteroide (aus einem Nasenspray) unter der Basisplatte verwendet. Verwenden Sie ein Nasenspray, keine Creme oder Salbe, da diese fettig sind und das Haften beeinträchtigen.

Weitere Tipps zur Hautpflege und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie auch in diesem Blogartikel.

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Wichtige Hinweise

Alle Empfehlungen in diesem Schulungsmaterial sind als allgemeine Orientierung für bewährte Verfahren gedacht. Sie sollen von qualifizierten medizinischen Fachkräften unter Berücksichtigung der klinischen Beurteilung sowie der Verfügbarkeit von Gesundheitsressourcen umgesetzt werden.

Die dargestellten Informationen sind nicht als medizinische Beratung für spezifische Erkrankungen zu verstehen. Die individuellen Umstände und Präferenzen der Patientin/des Patienten sollten stets berücksichtigt werden, und die klinische Praxis sollte den Grundsätzen von Schutz, Teilhabe und Partnerschaft entsprechen.