
Eine Laryngektomie verändert die Atmung eines Patienten/einer Patientin grundlegend – und damit müssen sich auch Sauerstofftherapie und Notfallversorgung anpassen. Standardmaßnahmen wie Nasenbrillen und Gesichtsmasken sind nicht mehr in gleicher Weise wirksam. Kliniker müssen sich stattdessen auf eine stoma-basierte Versorgung, adäquate Befeuchtung sowie klare Notfallpfade stützen, um eine sichere und effektive Behandlung zu gewährleisten.
Sauerstofftherapie: Grundprinzipien und Verordnung
Sauerstoff ist als verordnungs- und dosierungspflichtiges Arzneimittel zu betrachten. Obwohl er breit eingesetzt und häufig lebensrettend ist, kann eine falsche Gabe Schaden verursachen. Bei den meisten akut erkrankten Erwachsenen liegt die Sauerstoffsättigung typischerweise bei 94–98%. Patienten mit Risiko für ein hyperkapnisches respiratorisches Insuffizienz (z. B. bei COPD) benötigen ggf. einen niedrigere Sauerstoffsättigung.
Titration und Monitoring von Sauerstoff
Im Unterschied zu vielen anderen Medikamenten liefert Sauerstoff eine physiologische Rückmeldung in Echtzeit. Pulsoxymetrie ist das am häufigsten verwendete Monitoring-Instrument; eine Blutgasanalyse ermöglicht – sofern verfügbar – die genaueste Beurteilung.
Bei Auswahl und Titration der erforderlichen Sauerstoffflussrate sollten Kliniker:
- auf Ziel-Sättigungen hin titrieren,
- die niedrigste wirksame Sauerstoffdosis verwenden,
- die Sauerstoffgabe schrittweise anpassen.
Worauf in einer Notfallsituation bei Laryngektomierten zu achten ist
HME-basierte Sauerstoffsysteme sind für eine fortlaufende zusätzliche Sauerstofftherapie konzipiert – nicht für Notfälle. In Notfallsituationen, in denen eine schnelle Korrektur einer Hypoxie erforderlich ist, bleibt hochdosierter Sauerstoff direkt am Tracheostoma über eine Tracheostomie-Maske die schnellste und effektivste Vorgehensweise.
Eine frühe Erkennung von Atemnot ist entscheidend. Warnzeichen können sein:
- laute/stridoröse Atmung,
- sichtbare Atemarbeit,
- Bewusstseinsminderung,
- plötzliche Desaturation,
- Sekrete und/oder Blut am Stoma.
Diese Zeichen sollten zu umgehendem Handeln führen.
Wichtig ist zudem: Atemwegsprobleme werden bei laryngektomierten Patienten nicht so beurteilt wie bei Personen, die über Nase und Mund atmen. Die klare Kennzeichnung des Tracheostomas als Atemweg hilft, Behandlungsverzögerungen zu vermeiden und schnellere Entscheidungen zu unterstützen. Eine einfache Kennzeichnung am Bett, Team-Awareness und sofort verfügbare Notfallausrüstung tragen zu mehr Sicherheit bei.
Interessiert an mehr Artikeln wie diesem?
Jetzt Anmelden für die „Atos Learning News“Notfallreaktion braucht klare Pfade
Im Laryngektomie-Notfall sind die ersten Schritte:
1. Expertinnen und Experten zur Hilfe rufen
2. prüfen, ob die Patientin/der Patient atmet
3. das Tracheostoma auf Obstruktion oder sichtbare Probleme kontrollieren
Wenn die der Patient atmet, sollte Sauerstoff über das Tracheostoma appliziert werden.
Strukturierte Notfallpfade sind wichtig, weil sie Teams helfen, schnell und konsistent zu reagieren.
Die passende Ausrüstung sollte dort verfügbar sein, wo laryngektomierte Patienten betreut werden – einschließlich:
- pädiatrischer Gesichtsmasken
- Absauggerät
- kleiner Trachealkanülen
Mitarbeitende sollten zudem geschult sein zu erkennen, dass eine orale Intubation bei Patienten nach Laryngektomie nicht geeignet ist.
Vorbereitung verbessert die Patientensicherheit
Vorbereitung, Team-Awareness und klare Ressourcen direkt am Bett unterstützen eine sicherere Versorgung von Patienten nach Laryngektomie. Wenn Kliniker verstehen, wie Oxygenierung und Notfallmanagement angepasst werden müssen, können sie sicherer handeln und das Risiko von Komplikationen reduzieren.
Interessiert an mehr Beiträgen wie diesem?
Dann melden Sie sich für die „Atos Learning News“ an. Viermal im Jahr erhalten Sie Wissenswertes aus der Welt der Laryngektomie und Tracheotomie, einschließlich medizinischer Studien, Events und Schulungen. – direkt in Ihr Postfach.
Jetzt anmeldenWichtiger Hinweis
Diese Inhalte dienen der fachlichen Information und ersetzen nicht die klinische Beurteilung im Einzelfall. Die Versorgung sollte durch qualifizierte Fachkräfte entsprechend lokalen Leitlinien, klinischem Urteil und verfügbaren Ressourcen erfolgen.